Bauchtanz ist nicht gleich Bauchtanz. Viele Stile werden unter diesem Begriff zusammengefasst und immer wieder entstehen neue. Jede Tänzerin hat ihre Favoriten, die sie besonders gern tanzt und denen sie ihre persönliche Note verleiht. Hier möchte ich Ihnen vorstellen, welche Varianten des orientalischen Tanzes mir am Meisten am Herzen liegen.


Raqs Sharqi - Tanz des Ostens
Der "klassisch ägyptische" Stil, entstanden in der goldenen Ära des Kairoer Kinos in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts und bis heute von den Stars der ägyptischen Tanzszene weiterentwickelt.
Die Musikstücke dafür dauern wenige Minuten bis hin zu einem kompletten Auftritt. Diese "Routinen" beginnen meist mit einem kurzen Schleier-Entrée und durchspielen dann verschiedene Rhythmen der Region. Auch das Trommelsolo, die Königsdisziplin, bei dem die Bewegungen der Tänzerin die Schläge des Solo spielenden Trommlers widerspiegeln, wie auch das Taqsim, die gefühlvolle Umsetzung von Soli der Melodie-Instrumente, werden in solch einen Auftritt integriert. Sie können aber auch als alleinstehende Stücke getanzt werden.
Säbeltanz

Der Säbel - er war von Beginn an mein liebstes Accessoire - ist Waffe und (Tanz)Partner zugleich, kann balanciert, geschwungen und "umschwärmt" werden.
Es gibt immer wieder Versuche, die Herkunft des Säbeltanzes zu erklären, z.B. als Darstellung der Frau als Hüterin der Ehre des Mannes. Beweise gibt es aber keine mir bekannten, es kann genauso gut der moderne Einsatz eines archaischen Symbols sein. So interpretiere ich mit dem Säbel sowohl mittelalterlich wirkende Stücke, wie auch moderne, bis hin zu Heavy Metal.
Schleiertanz

Wohl der romantischste, wie auch der bekannteste Tanzbegleiter ist der Schleier. Interessanterweise stammt die Idee, komplette Stücke mit einem oder sogar mehreren Schleiern zu interpretieren nicht aus den Heimatländern des orientalischen Tanzes, sondern aus Amerika, dessen Tänzerinnen der orientalische Tanz immer wieder kreative Ideen zu verdanken hat.
Raqs Tahtib / Raqs Assaya - Stocktanz

Der Stock oder Tahtib stammt aus dem Said, aus Oberägypten. Die Männer benutzten ihn zum Kampf und tun dies in freundschaftlich-wettkämpferischer Weise noch heute. Mit Musikbegleitung wird dabei aus dem Kampf auch Tanz. Die Frauen haben das aufgenommen und kokettieren damit, mit der Waffe der Männer zu tanzen. Sie benutzen dünnere, verzierte und glitzernde Stöcke und setzen sie spielerisch ein. Modern interpretiert kommt beides zusammen, Frauen nutzen die derben Männerstöcke, um sehr erdig und energiegeladen zu tanzen, vergessen dabei aber auch nicht das Spielerische.
Raqs Shamadan - Leuchtertanz

Der Shamadan ist ein Kerzenleuchter, der traditionell von der Tänzerin auf dem Kopf balanciert wurde, während sie dem Brautpaar voran durchs Dorf tanzte, um sie zu ihrem Fest zu geleiten. Oft begleitet sie sich dabei mit Zimbeln, um Licht und Musik zu der Prozession beizusteuern, die Zaffa genannt wird. Im Gegensatz zum Raqs Sharqi wird hier gern auch ein Bodenteil integriert.
Ist der Raum nicht hoch genug für den Shamadan, nutze ich gerne ein Tablett mit Kerzen.
Isis-Wings

Nach der altägyptischen Göttin Isis und ihren Flügeln benannt, ist dieses effektvolle Accessoire doch sehr neu und erinnert an die Serpentinentänze von Loïe Fuller, die für viele Jahrzehnte vergessen waren. Schon kleine Schwünge und Drehungen erzeugen wunderschöne Effekte. Hierfür ist allerdings ein hoher Raum und ausreichend Tanzfläche zwingend erforderlich.
Feuertanz

Ausgehend von meinen Parts bei den Auftritten der Feuershowgruppe "die Wirrlichter" tanze ich gerne mit Handflächenfackeln oder Feuerfingern, alternativ setze ich auch die aus Neuseeland stammenden Poi ein. Für den Einsatz in Räumen kann hier Ersatz geschaffen werden, mit Windlichtern statt offenen Flammen oder Poi mit Bändern statt Feuer. Die Verbindung zum Bauchtanz wird hier deutlich beim Einsatz von Schleiern an den Poi, sogenannten Veil-Poi oder kurz Voi.

Natürlich gibt es noch mehr:

Tanz auf orientalischen Pop, der fürs europäische Ohr eingängiger ist als die klassische Bauchtanzmusik und zum Mittanzen einlädt. Folklorestile, die ihren Charme erst richtig im Tanz in der Gruppe entfalten. Die Begleitung mit Zimbeln oder der Einsatz der aus dem asiatischen Raum entliehenen Fächerschleier. Und, und, und... Aber: Tanz muss man sehen, erleben, fühlen, nicht nur erlesen...